kurz

Wie lautet der beliebteste Satz eines Redners? – „Ich komme nun zum Schluss!“ Achten Sie einmal darauf: Wenn dieser Satz fällt, atmen die Zuhörer auf. Das können Sie hören! Traurig, aber wahr: Das Wichtigste für die Zuhörer ist es, dass sich der Redner so schnell wie möglich setzt.

Dieselben Ansprüche stellt der Leser: Sie können sich als Verfasser fast alles erlauben und die meisten Ratschläge dieser Lektion in den Wind schlagen, vorausgesetzt Ihr Text ist kurz! In meinen Umfragen ist „Kürze“ diejenige Eigenschaft eines Textes, die am häufigsten gewünscht wird.
Warum … lieben die Leser die Knappheit und die Schreiber die Breite?“ fragt Ludwig Reiners und gibt die treffende Antwort: „… die Leser lieben die knappe Darstellung, weil sie sich so angenehm liest. Und die Schriftsteller hassen sie, weil sie sich so schwer schreibt.
Warum ist es so schwer, kurz und prägnant zu schreiben? Auch hier gibt Reiners, ebd., die richtige Antwort:
… die knappe Darstellung ist kein Naturprodukt, sie ist ein Kind des Rotstifts. Im ersten Entwurf schreibt jeder breit. … Kurz wird ein Manuskript nur, wenn der Rotstift schrankenlos waltet und auch die liebsten Geisteskinder ohne Mitleid austilgt. Zu dieser Arbeit gehört Geduld und Härte. «Da ich keine Zeit habe, Dir einen kurzen Brief zu schreiben, schreibe ich Dir einen langen», erklärt der achtzehnjährige Goethe seiner Schwester; er hat diesen Satz bei Cicero aufgelesen. … «Der Stil lebt vom Opfer», sagen die Franzosen.
Für dieses Opfer wird Ihnen der Leser dankbar sein, was wiederum Ihnen zugute kommt, wie Schopenhauer schreibt:
Man muß sparsam mit der Zeit, Anstrengung und Geduld des Lesers umgehn; dadurch wird man bei ihm sich den Kredit erhalten, daß was dasteht des aufmerksamen Lesens werth ist und seine darauf zu verwendende Mühe belohnen wird.
Die wichtigste Taste ist – die Entf-Taste.