kürzere Sätze!

Schauen wir uns den ersten Satz einer Pressemeldung an:
„Informationen der Pressestelle der Tonträgerfirma CAPITOL MUSIC, der Plattenfirma von Herbert Grönemeyer, zufolge, sollen bislang nicht genannte Informanten verschiedenen Medien gegenüber Bildmaterial der angeblichen Freundin sowie weitere Einzelheiten hierzu gegen ein substantielles Entgelt angeboten haben.“
Ich lasse diesen Satz in meinen Seminaren oft von einem der Teilnehmer laut lesen . Fast keiner kann ihn auf Anhieb flüssig und fehlerfrei vorlesen. Schuld daran ist der Text! Der Satz ist überladen. Wenn wir aus diesem einen Satz drei Sätze machen, hat es der Leser leichter:
„Verschiedenen Medien wurde Bildmaterial der angeblichen Freundin von Herbert Grönemeyer angeboten. Dies meldet die Pressestelle der Tonträgerfirma CAPITOL MUSIC, der Plattenfirma von Grönemeyer. Die bislang nicht genannten Informanten haben für das Bildmaterial und weitere Einzelheiten dazu ein substantielles Entgelt gefordert.“
Eine wichtige Regel für Sie lautet daher: „Aus eins mach zwei“. Lieber zwei kurze Sätze als ein langer Satz. Vermeiden Sie vor allem Einschübe! Denn zwischen zwei Klammern oder zwei Gedankenstriche – ich gebe Ihnen mit diesem Einschub ein Negativbeispiel, durch das Sie merken, wie schwer es für den Leser ist, sich noch zu erinnern an das, was vor dem Einschub stand – packen viele Verfasser gerne eine ganze Anzahl von Wörtern. Warum? Weil es so bequem ist – aber nur für den Verfasser, nicht für den Leser!

Mark Twain geißelt diese Angewohnheit als „Parenthesenkrankheit“, die typisch für die deutsche Sprache sei . Konsequenterweise fordert er die Abschaffung der Parenthese .

Schreiben Sie nach der Devise „Ein Gedanke – ein Satz“, wie Schopenhauer es fordert :
„Der leitende Grundsatz der Stilistik sollte seyn, daß der Mensch nur einen Gedanken zur Zeit deutlich denken kann; daher ihm nicht zugemuthet werden darf, daß er deren zwei, oder gar mehrere, auf ein Mal denke. … Sagt was ihr zu sagen habt, eins nach dem andern, nicht aber sechs Sachen auf ein Mal und durch einander.“