Deutliche Gliederung?

Zu Beginn ein Experiment: Sie haben eine Sekunde Zeit, sich zu entscheiden, welchen der beiden Texte auf der folgenden Seite Sie lesen möchten. Also, los!

Text 1:
„Die Leute verstehen nicht einmal die Hälfte von dem, was Sie sagen. Und sie vergessen gleich wieder, was Sie gesagt haben. Aber gleichzeitig verstehen sie doch ziemlich oft, was Sie sagen wollen. Worauf Sie hinaus wollen. Manchmal wissen sie das sogar besser als Sie selbst. Man sollte davon ausgehen, dass die Leute einen nicht verstehen, aber man darf sich nicht darauf verlassen. Das Publikum wird es Ihnen niemals verzeihen, wenn es merkt, dass Sie glauben, es reinlegen zu können. Das heißt, man sollte wie in allen Lebenslagen davon ausgehen, dass der Empfänger der Botschaft ein Idiot ist. Aber man darf ihn das unter gar keinen Umständen merken lassen. Mindestens ebenso schlimm wie unverständlich zu sein ist es, wenn man herablassend, therapeutisch oder pädagogisch auftritt. »Die reden so freundlich mit einem, als wäre man ein Idiot«, sagt ein aus dem Heim entflohener Rentner in Hasse Alfredsons Monolog. Nicht nur Kinder und alte Menschen hassen das. Richtige Siebenjährige sind übrigens das am meisten fordernde Publikum, dem man begegnen kann. Die haben den Mut zu verlangen, dass Sie erklären, was Sie meinen. Die sitzen, wenn Sie langweilig sind, nicht artig da und warten darauf, dass Sie fertig sind. Die stellen alles auf eine Weise in Frage, wie es ein erwachsenes Publikum, zumindest in Schweden, nie tut. Und sie verachten Erwachsene, die sich auf ihr Niveau herablassen. Die »seven year old minds« anzusprechen, ist eine intellektuelle Herausforderung, die bedeutend mehr Hirnkapazität erfordert, als gebildetere Auditorien nicht zu langweilen. In guten wie in bösen Zusammenhängen müssen Sie so einfach werden, wie Sie es bislang jedenfalls gar nicht für möglich gehalten haben. Auf jeden Fall wird es Sie ziemlich klug machen, das zu versuchen.“
Text 2:
„Die Leute verstehen nicht einmal die Hälfte von dem, was Sie sagen. Und sie vergessen gleich wieder, was Sie gesagt haben. Aber gleichzeitig verstehen sie doch ziemlich oft, was Sie sagen wollen. Worauf Sie hinaus wollen. Manchmal wissen sie das sogar besser als Sie selbst. Man sollte davon ausgehen, dass die Leute einen nicht verstehen, aber man darf sich nicht darauf verlassen. Das Publikum wird es Ihnen niemals verzeihen, wenn es merkt, dass Sie glauben, es reinlegen zu können. Das heißt, man sollte wie in allen Lebenslagen davon ausgehen, dass der Empfänger der Botschaft ein Idiot ist. Aber man darf ihn das unter gar keinen Umständen merken lassen.

Mindestens ebenso schlimm wie unverständlich zu sein ist es, wenn man herablassend, therapeutisch oder pädagogisch auftritt. »Die reden so freundlich mit einem, als wäre man ein Idiot«, sagt ein aus dem Heim entflohener Rentner in Hasse Alfredsons Monolog. Nicht nur Kinder und alte Menschen hassen das.

Richtige Siebenjährige sind übrigens das am meisten fordernde Publikum, dem man begegnen kann. Die haben den Mut zu verlangen, dass Sie erklären, was Sie meinen. Die sitzen, wenn Sie langweilig sind, nicht artig da und warten darauf, dass Sie fertig sind. Die stellen alles auf eine Weise in Frage, wie es ein erwachsenes Publikum, zumindest in Schweden, nie tut.

Und sie verachten Erwachsene, die sich auf ihr Niveau herablassen.

Die »seven year old minds« anzusprechen, ist eine intellektuelle Herausforderung, die bedeutend mehr Hirnkapazität erfordert, als gebildetere Auditorien nicht zu langweilen.

In guten wie in bösen Zusammenhängen müssen Sie so einfach werden, wie Sie es bislang jedenfalls gar nicht für möglich gehalten haben. Auf jeden Fall wird es Sie ziemlich klug machen, das zu versuchen.“
Text 2, das Original , ist identisch mit Text 1 – mit einer Ausnahme: Er ist unterteilt in sechs Absätze. Und deswegen haben Sie sich für Text 2 entschieden. Absätze sind für den Leser das, was Pausen für den Hörer sind: Erholung und Orientierung!

Ich habe Ihnen bereits die Entf-Taste als wichtigste Taste ans Herz gelegt . Nun empfehle ich Ihnen die zweitwichtigste Taste: die Enter-Taste!

Selbst bei kurzen eMails wirken Absätze Wunder, wie Sie an folgendem Beispiel sehen:

eMail 1:
Guten Tag, Frau Schmidt,

vielen Dank für die Referenz. Sie kommt nicht zu spät: Wir möchten sie für die Website verwenden und benötigen dafür noch etwas Zeit. Ich sage Ihnen Bescheid, sobald wir die Referenz online stellen. Jedenfalls freuen wir uns über Ihr positives Urteil!

Beste Grüße
eMail 2:
Guten Tag, Frau Schmidt,

vielen Dank für die Referenz.

Sie kommt nicht zu spät: Wir möchten sie für die Website verwenden und benötigen dafür noch etwas Zeit.

Ich sage Ihnen Bescheid, sobald wir die Referenz online stellen.

Jedenfalls freuen wir uns über Ihr positives Urteil!

Beste Grüße
Seien Sie bitte nicht zu zimperlich mit Absätzen. Mich hat noch niemand angerufen und gesagt: „Sie haben durch einen Absatz zwei zusammengehörende Sachen auseinander gerissen“.

Absätze sind die erste und schwächste Form der Gliederung. Deutlicher gliedern Sie mit (Zwischen)Überschriften, die Sie idealerweise zu Beginn des Textes ankündigen . So kann der Leser selbst entscheiden, was er lesen möchte und was nicht.

Warum ist die Gliederung des Textes in kleinere Einheiten und evtl. auch deren Unterteilung so wichtig? – Sie ist für den Leser das, was für den Kunden die Aufteilung des Sortiments in einem Supermarkt oder einem Baumarkt ist. Wenn Sie 3,5mm-Holzschrauben suchen, gehen Sie nicht in die Pflanzenabteilung oder in die Abteilung „Tapeten, Farben“, sondern in die Abteilung „Eisenwaren“. Dort suchen Sie nach Schrauben, dort wiederum nach Holzschrauben, bis Sie die richtigen gefunden haben.

Wichtig hierbei ist es für Sie als Besucher des Baumarktes, dass Ihnen der Weg zur Schraube leicht gemacht wird: durch große Schilder und sinnvolle Einteilung. Dasselbe gilt für den Leser: Er will sich schnell zurecht finden und konsequent geführt werden. Dabei helfen ihm Hinweisschilder, oder „Wegtafeln“ in Form von Überschriften, Fragen und der schlanksten Form der Gliederung: durch ein einfaches „erstens, zweitens, drittens“ , denn das hat der Leser besonders gerne, wie Wilhelm Busch weiß :
„… und sagt es klar und angenehm,
was erstens, zweitens und drittens käm.“
Der Leser hat eine Sehnsucht nach Orientierung und Pausen. Die Leserliebe® lässt den Leser daher nie im Ungewissen darüber, wo er sich gerade befindet.

Die Wichtigkeit einer deutlichen Gliederung kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Sie trägt wesentlich zur Verständlichkeit bei; Ludwig Reiners sagt: „Der Schlüssel zur Klarheit ist die Ordnung.“