Laut lesen!

Beim Hörfunk habe ich gelernt, einen Text nicht unvorbereitet ins Mikrofon zu sprechen, sondern ihn zuvor einmal laut zu lesen. Das reduzierte nicht nur die Anzahl der Fehler beim Vortragen, sondern hatte einen angenehmen Nebeneffekt: Es brachte Fehler der schriftlichen Vorlage ans Licht.

Unter „laut lesen“ verstehe ich „laut lesen“. Denn wenn wir lautlos lesen, schaltet sich unsere automatische Fehlerkorrektur ein. Wie ein Laser beim Abtasten einer CD-ROM Unebenheiten galant überspringt und damit ein tadelloses Ergebnis liefert, überspringt unsere Lesemaschine im Gehirn Fehler im geschriebenen Text und gaukelt uns einen tadellosen Text vor.
Machen wir doch die Probe aufs Exempel. Sie müssen mir nur versprechen, dass Sie den folgenden Text wirklich laut lesen.

„Betriebsjubiläum bei der Müller AG – und Geschäftsführer Peter Müller wird fast zweitgleich zum zweiten Mal Vater.“

Ich lasse diesen Text in meinen Seminaren von einem der Teilnehmer laut vorlesen. Fast immer stolpert er über das „zweitgleich“.